Sonntag, 24. Februar 2013

Stilversuch




„Materialermüdung bedeutet,“ so belehrt uns wikipedia, „dass auch eine statisch unkritische Belastung (noch im elastischen Bereich, also noch unterhalb der Streckgrenze des Werkstoffs) zu einer Funktionsuntüchtigkeit (Ermüdungsrissbildung) oder auch zum Totalausfall (Ermüdungsbruch) eines Bauteils führen kann, wenn sie oft genug auf das Bauteil einwirkt. Zyklisch belastete Teile haben daher prinzipiell eine begrenzte Lebensdauer.“ Welche Belastungen zur Schließung des Cafe Bajka geführt haben, wissen wir nicht. Schade is’ es. Darben müssen Mann und Frau deshalb nicht im Viertel. Gleich um die Ecke in der Donaustraße 116 öffnete jüngst ein neues Cafe, das die Frage der Belastbarkeit gleich im Namen auf’s ästhetische Gleis schiebt: Stil Bruch. Das lässt sich szene- oder milieuspezifisch, einrichtungs- oder umgebungsorientiert verstehen. Letztlich hängt’s - in den alten, den neuen und den vielen Neuköllner Sub-Ökonomien - am Gelde, dem ausreichenden Zahlungswillen froher und zugewandter Besucherinnen und Besucher. Also reinsetzen, Zeitung lesen und sich selbst befragen, was, warum und wie’s gefällt, mit anderen Worten: testen. Worin der Test besteht? „Bauteile, die theoretisch unbegrenzt viele Zyklen ertragen (weil sie aus bestimmten, dafür geeigneten Werkstoffen bestehen), bezeichnet man als dauerfest.“ Ob's dauert, muß sich zeigen.

Donnerstag, 21. Februar 2013

Montag, 18. Februar 2013

Donau-Slide



 Das Gesicht aus’m Wind, den Körper in’s warme Eck, die Ohren aufgesperrt und schon weiß man, wozu der Winter gut ist. Für’s Hören von Fredrik Kinbom beispielsweise. Im Valentin Stüberl, Donaustraße 112.

Sonntag, 17. Februar 2013

Facelifting




Mit dem Gesicht ist wohl jede und jeder verloren. Winters wie sommers.

Donnerstag, 14. Februar 2013

Sonntag, 10. Februar 2013

Donnerstag, 7. Februar 2013

Pop 007





Einen interessanten Gedanken hat Frank Schirrmacher angesichts des Rücktritts von Christian Wulf - kennt den noch jemand? - in die Welt gesetzt. Der führt zum Thema Pop zurück. Nun scheint an Christian Wulf nichts darauf hinzudeuten, dass Rock und Pop Spuren hinterlassen hätten. Kein Rhythmus, keine Coolness, kein „Übersprungsdenken“, kein „ästhetischer Habitus“, der über den Stolz auf das bestandene Abitur hinaus „wirksam“ in die Welt gefunden hätte, keine Empathie für „das Ungerade“. Einzig: Mit sich selbst im Reinen. So rein, dass nicht mal ein Gespür für den zuweilen vorhandenen Abstand von Stand und Anstand, von Hof und Haltung, von Dienst und Dankbarkeit verblieb. Ob er singen kann? Ich weiß es nicht. Mit Christian Wulf als Vertreter der Babyboomer-Generation (die Jahrgänge 1955 – 1970), so schreibt Schirrmacher, implodiert das politische Lebensmodell einer ganzen Generation. „Ihr Fehler war zu glauben, dass Märkte auch schon Ideen sind. Ideen setzen sich nicht durch wie Starbucks-Kaffee oder Popkultur. (…) Sie musste für ihr Lebensgefühl, ihre Musik, ihre Mode, ihre Sprache nicht kämpfen - im Gegenteil: Es waren Antriebsaggregate für Märkte, die ganz schnell die ganze Gesellschaft erfassten.“ Was sagt uns das, wenn wir den mitschwingenden konservativen Duktus, hier hätte eine ganze Generation den Preis ohne Schweiß eingestrichen, einmal außen vor lassen?
Markt und Pop, wo nicht identisch, gehen ein intimes Verhältnis ein. Wo Märkte wachsen, ist Pop ein Schmiermittel, das Arbeit und Alltag mit sinnlich-ästhetischen wie performativen Tand auflädt. Ist über Jahrzehnte schließlich alles, bis in die letzten Winkel, „ausgemalt“, wird - nehmen wir die Popkultur bei ihrem rebellischen Anspruch - aus einem Statement Status. „Es ist im Prozess des ideologischen Alterns kein Zufall, dass der Neoliberalismus als Utopie Ende der neunziger Jahre (in der BRD) genau in dem Augenblick reüssierte, da diese Generation das vierzigste Lebensjahr zu überschreiten begann. Denn jetzt ging es nicht mehr um Veränderung der Welt durch Konsum, sondern durch Akkumulation von Kapital für die zweite Lebenshälfte.“ Vom Kaufen zur Vorsorge. Die kennt vor allem eine Richtung: Festhalten, was erreicht ist. Immobilisieren. Popkulturell gesprochen: Kanonisieren. Kein Mut, kaum Zuversicht, gepaart mit einer „herrischen“ Attitüde in der Abwehr und Abgrenzung gegen alles und alle, die „von unten“ nachwachsen und fordern. Ein Bild von Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit ist damit nicht mehr zu gewinnen. Unter diesem Gesichtspunkt liest sich der „Aufruhr“, der 2011 England erschütterte, noch einmal neu. Die Erschöpfung, die ein ganz auf Markt abgestelltes Konzept von Vergemeinschaftung erzeugt, teilen alle. Die einen am goldenen Ende, die anderen am Katzentisch. „Gestritten“ wird um „Marktzugang“ bzw. um den „legitimen Anteil am Warenangebot“, nicht um die Frage, in welcher Form, bei Berücksichtigung unterschiedlicher Interessen, die „Mit-Arbeit“ aller herzustellen bzw. der „politische wie soziale Ausschluss“ großer Teile der Bevölkerung zu beenden ist. „Die Babyboomer verfolgen“, schreibt Ulrike Hermann in gleicher Sache, „die falsche Anlagestrategie. Sie erwerben am liebsten Immobilien – dabei müssten sie in die Ausbildung der heute benachteiligten Kinder investieren. Denn nur diese Arbeitskräfte von morgen können jenen Reichtum erwirtschaften, den sich jetzt schon alle sichern wollen.“ Dies setzte freilich voraus, dass der „popkulturelle Duktus der ersten Stunde“ als Haltung wieder einzieht in Köpfe und Herzen, Parteien und Parlamente: Genau hinschauen, sich einlassen, querdenken, Vielstimmigkeit zulassen, sozial-kulturelle Empathie entwickeln, Interessen abstimmen in Offenheit, Neugier und horizontaler Kommunikation, mit anderen Worten: Am Gemeinwohl arbeiten. Singen geht natürlich auch!