Montag, 9. Mai 2011
Samstag, 7. Mai 2011
Freitag, 6. Mai 2011
Rudellauf

So schnell, wie die Beschäftigungsträger, Sozialprojekte, Migrantenvereine, Friseur- und Nagelstudios die hiesigen Ladenräume verlassen, ziehen neue Mieter nach. Neben Spielhallenbetreibern rüsten Glücksritter und Unternehmungslustige aller Art und aus aller Herren Länder die Läden neu aus. So in der Weichsel 66. Fielen gestern noch die Haare, beflusen heute bereits Langfäden die Lampen. Aber: Mal ein Café, das tatsächlich Café sein will. Café Bajka. Kaum zu glauben, aber wahr. Klein und fein. Mit ausgesucht stilsicherem Interieur. Spielen darf man hier natürlich auch. Mit Händen, Blicken, Worten. Das Geld allerdings kommt auf den Tresen. Dafür gibt’s ordentlich Kaffee, Tee, frisch gepresste Säfte und allerlei Süß- und wechselnde Essware. Am 07.05.2011 ruft der Wolf zur Eröffnungsparty. Mitheulen.
Donnerstag, 5. Mai 2011
Mittwoch, 4. Mai 2011
Mutter is' mal da

Durch den Magen kommt’s. Die Liebe, das Leben …… und, wie uns „Mutter“ verspricht: „Leidenschaft und Rebellion“. Wow, ganz schön viel für ’ne Wurscht und lekker Pommes. Na, ein bisschen mehr gibt’s schon. Hausgemachte Suppen und Eintöpfe, Salate, wechselnden Mittagstisch und vegetarische Speisen. In der Weichsel 62. Alles, was der kleine wie große Hunger braucht. Für die Überführung des ältesten Mythos der Welt in Bewegungs-Neusprech gibt’s Extrapunkte. Das Nachsinnen über den Zusammenhang von Wurscht und Rebellion dauert noch ein Weil'chen. Wie sacht der Berliner: Det vadaun wa ers’ma. Probieren. Kommt jut.
Dienstag, 3. Mai 2011
Montag, 2. Mai 2011
Wo läuft er denn, der Groschen

Soviel Kaffee, wie in den laufend neu öffnenden Cafes gekocht werden könnte, kann niemand trinken. Rechnen wir die Kaffee-Im-Gehen-Ausreichen dazu, kommt auf jeden Erwachsenen im Kiez eine Kanne pro Tag. Ich falle aus, ich trinke Tee. Am wachsenden Einkommen kann’s nicht liegen. Rechnen wir Budget-Umschichtungen - vom Sonnenstudio etwa zum Cafeshop und veränderte Freizeit- und Lebensgewohnheiten - mit ein, bleiben Fragen. Ein Blick auf und hinter die bunten Scheiben verrät, um was es eigentlich geht. Glücksspiel. Las Vegas für’s Volk. Das ist weder - als Gewerbe - verwerflich, noch - moralisch - per se schlecht. Wer den Kitzel braucht, soll ihn haben. Spielen und Wetten - sei es aus Spaß, sei es um Haus, Hof, Kind und Kegel - haben sich „genetisch durchgefressen“ und gehören zur Grundausstattung menschlichen - männlichen (?) - Handelns. Aber in der Menge? Dass Hausbesitzer nehmen, was Geld bringt, kann ihnen niemand verübeln. Sehen wir ’mal davon ab, dass es schlicht scheiße aussieht: Automaten wollen gefüttert werden, soll das Geschäft lohnen. So landen wir wieder bei der zahlenden Nachfrage, die - zumindest statistisch gesehen - nicht steigt und vor sich hin dümpelt. Ohnehin gilt beim Glücksspiel: Wie man die Scheibe auch dreht, es gewinnt immer die „Bank“. Im Leben, im Laden, im Himmel vermutlich auch. Weltweit. Was bleibt? Kleinteiliger Wettbetrieb für Hans und Franz bzw. Hassan und Abdul. Verschuldung, privates Banking, Geldwäsche und andere Nebenerwerbsbereiche. Nicht „direkt“ belegbar, aber doch anzunehmen. Anders formuliert: Wer den Billiglohnbereich massiv ausdehnt, Arbeit entwertet, Verarmung billigend in Kauf nimmt, wird damit leben müssen, dass der informelle Sektor wächst und Blüten treibt.



