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Samstag, 29. Dezember 2012

Neuköllner Kehraus



Ja, wer hätte das gedacht! Die Wirklichkeit muss zuweilen zweimal durch den Wolf medialer Inszenierung. Gewinnen Bilder, auch jenseits der Realität, ein Eigenleben, erhalten auch Beschreibungen, die den Rissen im Putz nachgehen, Nachrichtenwert. Und siehe da, es gibt Menschen in Neukölln. Menschen mit dem Herz am rechten Fleck, die Armut als Aufforderung zu tatkräftiger Nächstenhilfe empfinden. Ist das Zynismus, gut gemeinter oder gut gemachter Journalismus? Wie auch immer, jedenfalls verbreitet sich auf diesem Wege eine (un)frohe Kunde: Geld adelt nicht.

Montag, 18. Juni 2012

48 Stunden ...


... später sind sie abgeräumt. Die Paradiese. Was zeigt - und niemand wundert -, dass Paradiese endlich sind. Kleine Momente des Erinnerns, des Wohlbehagens, des unverhofften und kurzzeitigen Glücks, der alltagsfernen Phantasie, der Leichtigkeit und der Sehnsucht. Mit Migration haben sie, glaube ich, wenig zu tun. Aus- und Zuwanderer suchen nicht das Paradies, sondern einen Ort, der sie von Aussichtslosigkeit, Not oder Verfolgung befreit. Der Platz bietet für Arbeit, Leben, Lieben und Familie. Klingt banal. Ist banal.


Der Rest sucht Abenteuer, Neuland, Noch-Nicht-Gesehenes. Darin denen ähnlich, die am Wochenende durch Neuköllner Quartiere wanderten. Immer in der Angst, sofern sie nicht die nötige Zeit mitbrachten oder Muße in der Konzentration auf einzelne Veranstaltungen fanden, dem Paradies stets hinterher zu laufen.
Was sie wiederum in die Nähe derjenigen rückt, die - bilbelkundig und lebenserprobt - verkünden, der Ausgang aus dem Paradies verdanke sich dem Wissen-Wollen, der Übertretung „göttlicher Gebote“, dem Überdruß am "paradiesischen Nichtstun" und bloßer Kontemplation. Mithin, das Wandern könne schon als richtiger Schritt gegen "Anwandlungen anstrengungslosen Lebens" und als Hinwendung zu menschlicher Vernunft, Mühsal, weltlichem Wirken und Schaffen gelten. Kamen sie von außerhalb, verließen sie den Bezirk mit dem unwirklichen Gefühl, zwar das Paradies "aus den Augen" verloren, aber dennoch eine Menge - was auch immer - mitgenommen zu haben. Neuköllnerinnen und Neuköllner nahmens gelassen oder gar nicht. Alle anderen, wo immer sie hergekommen sein mögen, hatten - vermutlich - viel Spaß.



Donnerstag, 26. Mai 2011

Rundes Neukölln


„Ursache der Nierenform“, so ist auf wikipedia zu lesen, „ist eine sämtliche Gesellschaftsbereiche durchlaufende Abkehr von der Starre des Nationalsozialismus“. Ein ganz furchtbarer Satz. Bei gutem Willen ahnt man, was gemeint ist. Falsch ist er dennoch. Es war die Starre, die die Bundesrepublik in den 50’ern auszeichnete. Der unbedingte Wille, Verbrechen und Täterschaft zu leugnen, sich in einen neuen, unbelasteten Alltag zu flüchten, soweit dies im Deutschland der Nachkriegsjahre möglich war. Die Nierenform war, wie so vieles in den Nachkriegsjahren, ein US-Import. Sie kam gerade recht und „grub“ eine der „Einflugschneisen“, die dem Alltag und der Kultur in der Bundesrepublik neues Leben einhauchten. Eine „Entgiftung“ der besonderen Art. Überspitzt formuliert: Ein Sieg der Form über die Funktion. Der Beginn eines "Leben mit Pop". Heute, 50 Jahre später, sind sie wieder allgegenwärtig, die Möbel und Assessoieres der 50'er und 60'er Jahre. Auf Neuköllner Trödelmärkten, in Möbelgeschäften, aktuellen Mode-Kollektionen, Medien, in Neuköllner Szenekneipen und in den Wohnstuben der Mittzwanzigerinnen. Was das bedeutet? Keine Ahnung. Manch alter Schnickschnack, manch alte Form - sehen wir mal von Verwertungszwängen und kulturellen wie modischen Zyklen ab - haben auch heute noch ihren Reiz: "Spielerisch" genutzt, in neuen Kontexten, nicht weniger farbenfroh und bieder-lässig als in früheren Zeiten. So kommt selbst Piefig-Verschrobenes zu neuen Weihen. Wem das alles nicht reicht, wer das originale Ambiente braucht, geht in die Hasenschänke. Wo? Na, in der Hasenheide.

Dienstag, 24. Mai 2011

Dienstag, 1. September 2009

Werkstatt für Veränderungen


Koch-Kunst. Da ist schon alles beisammen. Nicht nur die Liebe geht durch den Magen. Aussaat, Gemüsezucht, Gartenpflege, Rezepte sammeln, die Ergebnisse verkochen und nebenbei noch mit Pinsel und anderen künstlerischen Utensilien auf Erkundungsfahrt gehen. Gilt es Ödland zu bestellen, ist diese Kombination unschlagbar. Die „Werkstatt für Veränderungen“ erdet ästhetisches Verstehen, Interkulturalität, Soziabilität mit Neuköllner Alltag. Seit Jahren und immer wieder auf der Autobahnüberbauung in Neukölln. Zieleinlauf ist in diesem Jahr Samstag, der 05.09.2009, 19.00 Uhr. Also: Wer die eigene Küche meiden will und unter freiem Himmel mit vielen Anderen nach Rezepten, die aus aller Frauen-Länder kommen, essen möchte, ist goldrichtig im Carl-Weder-Park. Etwas mitbringen - gute Laune, Getränke, Instrumente - wird der Sache in jeder Hinsicht helfen.