Dienstag, 14. Dezember 2010

Hasenheide


Ich habe mal nachgeschaut. Manches lässt einen ja nicht los. Schrieb Jette doch unlängst von Kindheitstagen. Und Endlosrotation von Schallplatten. Was grub sie aus? Lok 1414 geht auf Reisen. Ich hätte nie geglaubt, dass es auf dieser Welt jemanden gibt, der diese Platte kennt. Wir haben sie so oft gehört, dass man Angst haben musste, mit der schließlich stumpf gespielten Nadel die Rillen auszuschleifen. War aber nicht so, haben gehalten. Rillen wie Platte. Erstaunlich. Kann man nicht von allem sagen, was heute so auf den Markt kommt. Gebraucht haben wir’s, glaube ich, um über das durch und durch Repetitive in der Volksschule, so hieß die damals, hinwegzukommen. Rechnen, Lesen und Schreiben – einschließlich Schönschrift und Sütterlin – zogen die Furchen, die wir mit Ton-, Sing- und Hörspielen füllten. Fernsehen war nicht. Märchenplatten waren unser Tonkino. Und haben sich - Vers für Melodie - eingegraben. So ruft ein Gang in die Hasenheide, warum auch immer, die Erinnerung an „Der Sängerkrieg der Heidehasen“ wach. Gehören irgendwie zusammen, die Heidehasen und die Hasenheide. Dass James Krüss darüber hinaus ein Visionär war und sich früh den Unsitten der Zeitumstellung widmete, machen seine Verse deutlich. Um ’ne Viertelstunde verschätzt. Ansonsten nah dran.

„Als ich heute früh erwachte,
fand ich meine Uhr verstellt,
um fünf ganze Viertelstunden
hatte jemand mich geprellt
denn noch sing ich so ob so,
je di hi, je di ho
holla di hi, holla di ho
holla di hi, ha ho.“

Montag, 13. Dezember 2010

Meistersinger


Wagner ist ein Reizthema. Es gehen immer die Falschen in’s Opernhäusle. Stimmt’s? Wer möchte schon die Garderoben und das inzestuöse Gehabe der Schönen und Reichen, des Polit-, Geld- und Raubadels beim gespreizten Teppichlauf in Bayreuth bestaunen. Das Wagner im österreichischen Postkartenmaler einen großen Fan und Verehrer fand, die Familie Wagner sich diesem in die Arme warf und dem Furor aus Mord und Totschlag freundschaftlich assistierte, erschwert den Zugang. Nun verstarb der alte Wagner, der als bekennender Antisemit bezeichnet werden darf, bereits 1883. Die Gnade, früher gelebt zu haben, hat vermutlich Schlimmeres verhindert. Wer allerdings glaubt, ihm durch Nichtbeachtung entgehen zu können, irrt.


Die Musik ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute - so insbesondere im Film - voll von Anleihen aus dem Wagner’schen Schaffen. Nichthören geht nicht. Dann doch ruhig mal das Original zu Gemüte führen. Dass das musikalisch spannend sein kann, zeigt die Komische Oper. Mit der einzigen komischen Oper Wagners. Die Meistersinger von Nürnberg. Kein pompöses Gedröhne und tschingterassa-bum-bum, keine Ausstattungsorgie, kein Bühnenalarm oder überzeichnete Figuren. Sparsam im Bühnenbild, das aus einer einzigen Idee - versetzbaren Häusern - ein lebendiges, im Verlauf immer wieder neu arrangiertes, silhuettenartiges Stadtbild für die unterschiedlichsten Szenen zaubert. Das Orchester hervorragend eingestellt, ganz im Dienst von Handlung und Gesang, dabei mit einer glasklaren, in Blech, Holz wie Streichern, weichen und differenzierten Klangführung. Das ab und an aufscheinende Gedräue, Aufwallende und Überbordende zeigt sich in der „wohltemperierten“ Fassung der Komischen Oper als handlungsbezogenes, dramaturgisches Mittel. Keine Überwältigung, kein emotionales Ton-Gel, das Handlung und Bühnengeschehen überbietet. Man mag das Thema bespötteln. So hat die Figur des Hans Sachs für uns heute etwas Unzeitgemäßes, Altbackenes. Die Meistersinger sind nicht mehr als eine historische Reminiszenz, so wie auch die enge Verbindung von Handwerk und (Volks)Kunst mit dem Verschwinden der Zünfte unwiderruflich verloren ging. Das Thema ist dennoch in der einen oder anderen Variante präsent und wird nach wie vor diskutiert. In den 50’ hörten die Meistersinger auf den Namen Elvis, in den 80’ auf NWA. Anders formuliert: Gibt es Regeln, die den Kunstbetrieb limitieren. Die Werk und Aufführung kanonisieren, Tabuzonen errichten, die Kunstausübung beschneiden, bedrängen, in den Dienst nehmen für andere Belange? Wie steht es um die Verbindung von Bevölkerung und Kunst, von Laienwerk und Profession, von Tradition und Neuerung? Die Unterscheidung zwischen U- und E-Musik ist immer noch und ohne Abstriche Grundlage aller öffentlichen Förderprogramme im deutschen Kulturbetrieb.


Das die Liebe einen Weg weist, um Leben und Künsten neue Ufer zu erschließen, ist stehender Teil jedes zweiten Bühnenwerkes, Films oder Romans. Nicht neu, was die Oper da bietet, aber auch nicht abseitig. Da tut sich keine Gruft auf. Verletzungsgefahr ausgeschlossen. Also. Wagner nicht den Knallchargen überlassen. Einfach mal ausprobieren!

Sonntag, 12. Dezember 2010

Kiezlauf


Ein Gang durch’s virtuelle Viertel zeigt, dass in Neukölln nicht alles dort steht, wo es stehen sollte, das nicht alles stimmt, was man so gemeinhin sagt und glaubt, das vieles in Bewegung ist, wo man Stau vermutet. Halt Leben, Kommen und Gehen, und so was. Von so was kommt dann so was: Die Russen kommen. Sind die nicht schon längst da? Wie auch immer. Andere Gäste - Dumpfdölmer - sieht man weniger gern. Stehen selbstverständlich unter nachbarschaftlicher Beobachtung. Hilfe ist immer gut. Kindern und Goldfischen verspricht Neues aus Neukölln, dem „NERV DER ZEIT“ dicht am hohlen Zahn zu bleiben. Dass hier auch neue Erfindungen aus Neukölln - von der Digitalsteckdose bis zum Hundetelefon - feilgeboten werden, spricht für die Vitalität des Neuköllner Gewerbes. Innovativ, aufstrebend, jung und dynamisch. Da ist kein Halten mehr. Selbst der Sonnenallee werden Gesäß und Gesicht geliftet. Wem das zuviel wird, wer’s gern eine Nummer kleiner hat und Armut für eine Zier hält, kauft Großmutters Geschirr zurück. Mit Stil natürlich. Beladen und erschöpft, hält der Bürger Einkehr, denkt über's Stiften nach und liest. Analog. Noch. Kiez und Kneipe hat einen Neuköllner Ableger in den Schankstätten abgeworfen. Nachhause muß man dann noch lange nicht. Heimat ist schließlich da, wo Hafen ist. Amen.

Samstag, 11. Dezember 2010

Kunstschatten


Kleine Kunst. Die sich ganz dem Leben anvertraut. Bereits nach wenigen Tagen verloschen. Ein Schatten bleibt. Mehr Bewegung als Erinnerung. Auch den trägt’s weg. Der Hauswart war da. Setzt Farbe auf Farbe.

Donnerstag, 9. Dezember 2010


Konzentration (10 - 10)

Mittwoch, 8. Dezember 2010


Konzentration (9 - 10)

Dienstag, 7. Dezember 2010


Konzentration (8 - 10)

Montag, 6. Dezember 2010


Konzentration (7 - 10)