Dienstag, 31. Mai 2011

Auto-Modus

Mal mal'n Foto (0 - 14)

Ab und an muß man mal raus aus Berlin. Tut gut, macht den Kopf frei, bringt Luft in die Röhren. Schalten wir also um auf's "BildMalt'nFotoProgramm" und lassen's in den nächsten 14 Tagen mal im "Auto-Modus" laufen. Mal sehen, was dabei 'rauskommt.

Donnerstag, 26. Mai 2011

Rundes Neukölln


„Ursache der Nierenform“, so ist auf wikipedia zu lesen, „ist eine sämtliche Gesellschaftsbereiche durchlaufende Abkehr von der Starre des Nationalsozialismus“. Ein ganz furchtbarer Satz. Bei gutem Willen ahnt man, was gemeint ist. Falsch ist er dennoch. Es war die Starre, die die Bundesrepublik in den 50’ern auszeichnete. Der unbedingte Wille, Verbrechen und Täterschaft zu leugnen, sich in einen neuen, unbelasteten Alltag zu flüchten, soweit dies im Deutschland der Nachkriegsjahre möglich war. Die Nierenform war, wie so vieles in den Nachkriegsjahren, ein US-Import. Sie kam gerade recht und „grub“ eine der „Einflugschneisen“, die dem Alltag und der Kultur in der Bundesrepublik neues Leben einhauchten. Eine „Entgiftung“ der besonderen Art. Überspitzt formuliert: Ein Sieg der Form über die Funktion. Der Beginn eines "Leben mit Pop". Heute, 50 Jahre später, sind sie wieder allgegenwärtig, die Möbel und Assessoieres der 50'er und 60'er Jahre. Auf Neuköllner Trödelmärkten, in Möbelgeschäften, aktuellen Mode-Kollektionen, Medien, in Neuköllner Szenekneipen und in den Wohnstuben der Mittzwanzigerinnen. Was das bedeutet? Keine Ahnung. Manch alter Schnickschnack, manch alte Form - sehen wir mal von Verwertungszwängen und kulturellen wie modischen Zyklen ab - haben auch heute noch ihren Reiz: "Spielerisch" genutzt, in neuen Kontexten, nicht weniger farbenfroh und bieder-lässig als in früheren Zeiten. So kommt selbst Piefig-Verschrobenes zu neuen Weihen. Wem das alles nicht reicht, wer das originale Ambiente braucht, geht in die Hasenschänke. Wo? Na, in der Hasenheide.

Mittwoch, 25. Mai 2011

Neukölln fliegt



Noch bis zum Sonntag, 29.05.2011, ist die Ausstellung mit den sechs landschaftsplanerischen Entwürfen - einschließlich des Siegerentwurfs - für den Flughafen Tempelhof in der „Alten Zollgarage“ im Flughafen (links neben dem Haupteingang) zu sehen. Immer in der Zeit von 14.00 bis 20.00 Uhr. Hingehen, anschauen. Sage nachher keine, sie habe nichts gewusst.

Dienstag, 24. Mai 2011

Montag, 23. Mai 2011

Sachte



Wenn ick det sehe, wat se so machn,

wie se bei de jeringsten Sachn

sich uffpustn, det man denkt, se platzen –

wie se rot anlaufn, bis an die Jlatzen,

ahms spät un morjens um achte –:

sachte! sachte!

Warum denn so furchtbar uffjerecht?

Wir wem mal alle inn Kasten gelecht


Kurt Tucholsky


Samstag, 21. Mai 2011

Global gedacht?


Die Globalisierung treibt mitunter kuriose Blüten. In Neukölln. Die Streiterinnen wider Anmache und sexuelle Gewalt sind entweder weltgewandte Neuköllnerinnen, die insbesondere gewalttätige Touristen aus dem englischsprachigen Raum im Auge haben. Dann stellt sich die Frage: Gibt es die? Und lesen die diese kleinteiligen Botschaften? Oder aber es sind Kämpferinnen, die mit der Wahl der Sprache ihre Verbundenheit mit dem internationalen Kampf gegen sexuelle Ausbeutung und Gewalt bezeugen wollen. Dann stellt sich die Frage: Warum ausgerechnet in der englischen Sprache und nicht spanisch, arabisch oder französisch? Oder aber es sind Touristinnen aus dem englischsprachigen Raum, die den Neuköllnern mal deutlich sagen wollen, was sie erwartet, wenn sie zudringlich werden. Stellt sich die Frage: Machen die sich soviel Mühe, drucken Flyer, fliegen her und kleben’s an die Wände? Oder aber es sind Studentinnen, zugereist aus Eicklingen, die in der großen weiten Welt die Stimme erheben, ohne zu wissen, dass ein großer Teil der alteingesessenen Neuköllnerinnen und Neuköllner jedweder Herkunft diese Botschaft nicht versteht. Die glauben - die Maskerade legt's nahe - einen der vielen Flyer vor sich zu haben, mit dem Neuköllner Kampfsportvereine für den Vereinsbeitritt - auch von Mädchen - werben. Fragen über Fragen.

Donnerstag, 19. Mai 2011

Mittwoch, 18. Mai 2011

Wahlfahrt


Die Neuköllnerinnen und Neuköllner haben ein untrügliches Gespür dafür, wie Parteiprogramme - hier trifft’s mal die FDP - treffend bebildert werden können.

Dienstag, 17. Mai 2011

Sonntag, 15. Mai 2011

Überschuß


Rücken Objekt und Darstellung auseinander, finden Gegenstand und Wahrnehmung nurmehr zwanglos zueinander, werden alle katholisch. Wo man auch hinschaut. Oder hinliest. Sie setzt sich durch. Die Foto(Bild)-Kryptik. Keiner sagt’s direkt. Alle formulieren drumherum. So auch Thomas Hübener. „Unschärfe (besitzt) das Vermögen, ein Bild dialogisch werden zu lassen, indem sie die Wahrnehmung seines Gegenstandes erschwert. Der Betrachter sieht aktiv, indem er an der Herstellung des Bildes mitwirkt. An die Stelle bloßer Identifizierung eines mimetischen Bezugs tritt ein Austausch, welcher der Diktatur des Faktischen die Kraft der Fantasie entgegensetzt.“ * Schön formuliert. Aber ehrlich gesagt, so dolle hätt’s denn gar nicht sein müssen. Dem Faktischen bietet jede und jeder unentwegt und jeden Tag die Stirn, ziehen den „Rahm von der Butter“. Anders lässt sich gar nicht leben. Ein Alltag ohne Unschärfe, Gegenstände ohne Nutzanwendungsüberschuss, Leben ohne aktive Beobachterinnen, Wahrnehmung ohne Dialog, wie soll das gehen? Unschärfe ist ein Bewegungsmodus. Kryptisch gesprochen: Das Leben nährt die Kunst. Das Bild folgt und eröffnet - zumindest manchmal - einen Dialog.

* Spex #332, S.83

Samstag, 14. Mai 2011

Donnerstag, 12. Mai 2011

Neukölln wirtschaftet


Neukölln hat auch andere, weniger bekannte Seiten. Ein Blick - immer lohnend - in die Daten des Statistischen Landesamtes Berlin gibt Auskunft. In der Rubrik „Betriebe, Beschäftigte, Bruttoentgelte sowie Umsatz des Verarbeitenden Gewerbes 2009 nach Bezirken“ liegt Neukölln mit 82 Betrieben - ohne Handwerk, Handel und Dienstleistungen - hinter Tempelhof-Schöneberg und Reinickendorf auf dem dritten Rang. Gleiches gilt beim Umsatz. Mit 10453 Beschäftigten nimmt Neukölln immerhin noch den 5. Rang ein. Das alles holt weder Neukölln noch Berlin aus dem tiefen Tal heraus, in das es nach der Wiedervereinigung „dank konsequenter“ Entindustrialisierung und „mit Hilfe“ überstürzten Subventionsabbaus schlidderte. Die Exportquote der heimischen Wirtschaft, so lesen wir hier ebenfalls, stieg von 10,5% im Jahr 1991 auf 44,9% im Jahr 2009. Ist das schon Aufschwung?

Mittwoch, 11. Mai 2011

Dienstag, 10. Mai 2011

Regen in Neukölln



Nur in Charlottenburg regnet es. Unregelmäßig zwar. Aber immerhin. Wo der Regen herkommt? Na, aus Neukölln. Er fließt reichlich. Und dient - quasi - therapeutischen Zwecken. Die, die da deftig, roh, laut, mal miteinander, mal nebeneinander, mal gegeneinander agieren, reden und spielen, suchen irgendwann das Naß. Wasser reinigt, kühlt, ertränkt den Durst und spült das Blut vom Bordstein. Ein Menschenpuzzle mit Fuchs. Ein hartes Bild. Ungemütlich, hautnah. Wie eine Scheibe, kurz vorm Zerspringen. Keine Angst, Wasser erlöst. So oder so. Bezirk verlassen. Fremdgehen! Schirm nicht vergessen!

Montag, 9. Mai 2011

Freitag, 6. Mai 2011

Rudellauf


So schnell, wie die Beschäftigungsträger, Sozialprojekte, Migrantenvereine, Friseur- und Nagelstudios die hiesigen Ladenräume verlassen, ziehen neue Mieter nach. Neben Spielhallenbetreibern rüsten Glücksritter und Unternehmungslustige aller Art und aus aller Herren Länder die Läden neu aus. So in der Weichsel 66. Fielen gestern noch die Haare, beflusen heute bereits Langfäden die Lampen. Aber: Mal ein Café, das tatsächlich Café sein will. Café Bajka. Kaum zu glauben, aber wahr. Klein und fein. Mit ausgesucht stilsicherem Interieur. Spielen darf man hier natürlich auch. Mit Händen, Blicken, Worten. Das Geld allerdings kommt auf den Tresen. Dafür gibt’s ordentlich Kaffee, Tee, frisch gepresste Säfte und allerlei Süß- und wechselnde Essware. Am 07.05.2011 ruft der Wolf zur Eröffnungsparty. Mitheulen.

Mittwoch, 4. Mai 2011

Mutter is' mal da



Durch den Magen kommt’s. Die Liebe, das Leben …… und, wie uns „Mutter“ verspricht: „Leidenschaft und Rebellion“. Wow, ganz schön viel für ’ne Wurscht und lekker Pommes. Na, ein bisschen mehr gibt’s schon. Hausgemachte Suppen und Eintöpfe, Salate, wechselnden Mittagstisch und vegetarische Speisen. In der Weichsel 62. Alles, was der kleine wie große Hunger braucht. Für die Überführung des ältesten Mythos der Welt in Bewegungs-Neusprech gibt’s Extrapunkte. Das Nachsinnen über den Zusammenhang von Wurscht und Rebellion dauert noch ein Weil'chen. Wie sacht der Berliner: Det vadaun wa ers’ma. Probieren. Kommt jut.

Dienstag, 3. Mai 2011

Montag, 2. Mai 2011

Wo läuft er denn, der Groschen


Soviel Kaffee, wie in den laufend neu öffnenden Cafes gekocht werden könnte, kann niemand trinken. Rechnen wir die Kaffee-Im-Gehen-Ausreichen dazu, kommt auf jeden Erwachsenen im Kiez eine Kanne pro Tag. Ich falle aus, ich trinke Tee. Am wachsenden Einkommen kann’s nicht liegen. Rechnen wir Budget-Umschichtungen - vom Sonnenstudio etwa zum Cafeshop und veränderte Freizeit- und Lebensgewohnheiten - mit ein, bleiben Fragen. Ein Blick auf und hinter die bunten Scheiben verrät, um was es eigentlich geht. Glücksspiel. Las Vegas für’s Volk. Das ist weder - als Gewerbe - verwerflich, noch - moralisch - per se schlecht. Wer den Kitzel braucht, soll ihn haben. Spielen und Wetten - sei es aus Spaß, sei es um Haus, Hof, Kind und Kegel - haben sich „genetisch durchgefressen“ und gehören zur Grundausstattung menschlichen - männlichen (?) - Handelns. Aber in der Menge? Dass Hausbesitzer nehmen, was Geld bringt, kann ihnen niemand verübeln. Sehen wir ’mal davon ab, dass es schlicht scheiße aussieht: Automaten wollen gefüttert werden, soll das Geschäft lohnen. So landen wir wieder bei der zahlenden Nachfrage, die - zumindest statistisch gesehen - nicht steigt und vor sich hin dümpelt. Ohnehin gilt beim Glücksspiel: Wie man die Scheibe auch dreht, es gewinnt immer die „Bank“. Im Leben, im Laden, im Himmel vermutlich auch. Weltweit. Was bleibt? Kleinteiliger Wettbetrieb für Hans und Franz bzw. Hassan und Abdul. Verschuldung, privates Banking, Geldwäsche und andere Nebenerwerbsbereiche. Nicht „direkt“ belegbar, aber doch anzunehmen. Anders formuliert: Wer den Billiglohnbereich massiv ausdehnt, Arbeit entwertet, Verarmung billigend in Kauf nimmt, wird damit leben müssen, dass der informelle Sektor wächst und Blüten treibt.

Sonntag, 1. Mai 2011

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