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Die Aussichten auf's neue Jahr. Viel Farbe. Kann jetzt jede und jeder denken, was er oder sie will. Unschärfen, Schraffuren und Formenvielfalt. So wird's uns gehen. Gehen wir mit.
"Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, und die sei ein Unterschied zwischen den Wassern (I.Kap.1.6). Da machte Gott die Feste, und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah also (I.Kap.1.7). Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der andere Tag (I.Kap.1.8). Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Örter, so daß man das Trockene sehe. Und es geschah also (I.Kap.1.9). Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannter er Meer. Und Gott sah, daß es gut war."Wie man sieht, ist es der Unterschied, die Differenz, die Scheidung des Einem vom Anderen, die dem Ganzen im Einzelnem und dem Einzelnem im Anderen in Gänze Gestalt gibt. Ist das logisch?!!? Nur Luhmann wird's wissen. Uns interessiert der Zusammenhang zwischen Geschichten und Pfützen. Heißt ja eigentlich: Vom Wasser zum Wort. Dazwischen liegen Erfahrung, Sehen, Glauben und nicht zuletzt, endlose Wiederholungen. Wir haben also ein ganzes Stück ausgelassen. Die ersten, die diesen Zusammenhang - mit bösen Folgen - kurzschlüssig ignorierten, waren die Äpypter. Die Ägypter gingen, wie uns ebenfalls Moses lehrt, leichtgläubig, dem Sehen verpflichtet und in Verfolgung der Kinder Israels, in's Meer. Sie glaubten, was sie sahen: die Möglichkeit, trockenen Fusses durch's Rote Meer zu marschieren. Ihre Erfahrungen hätte sie anderes lehren müssen. Moses, hier bereits botmäßig Täter auf Geheiß des Herrn, straft diese Erfahrungsresistenz hart ab. Er reckte "seine Hand aus über das Meer, und das Meer kam wieder vor morgens in seinen Strom, und die Ägypter flohen ihm entgegen. Also stürzte sie der Herr mitten ins Meer,... (II.Kap.14.27)"*. Alle tot. So war es. Was sagt uns das heute?
"Aber das Leben hält immer wieder Unvorhergesehenes, Weggabelungen bereit, denen sich jeder von uns stellen muss, die schwierige Entscheidungen abverlangen."So schreibt mein Bundestagsabgeordneter, Herr Staffelt, zuständig für Neukölln. Was ihn so überrascht hat, da unvorhersehbar?
"In Zukunft werde ich für die EADS die Aufgabe des Vorstandsbeauftragten für Politik- und Regierungsangelegenheiten für Deutschland übernehmen."Was hat Herr Staffelt in den letzten Jahren gemacht? Er war bis 2005 Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und als Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt tätig. Zurzeit ist er Mitglied im Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten und stellvertretendes Mitglied im Ausschuß für Wirtschaft und Technologie. Die "European Aeronautic Defence and Space Company" (EADS) ist Europas größter Luft-, Raumfahrt und Rüstungskonzern. Nun bin ich aber überrascht! Wie ist es möglich, jahrelang genetzwerkelt zu haben, ohne zu bemerken, mit wem und was man dabei beschäftigt war und ist? Dies spricht gegen alle Lebenserfahrung, sagt mein arabischer Nachbar mit Blick auf die hilfreichen Verflechtungen und Verpflichtungen in Familie, Clan und Kiez-Netzwerken. Lieber Ditmar, das Leben würde für alle einfacher mit ein bißchen mehr Ehrlichkeit. Keiner nimmt Dir übel, dass du nun endlich mal richtig Geld verdienen möchtest. Geht uns nicht anders. Dass Du dem permanten Konflikt zwischen politischer Verantwortung und "Indienstnahme" durch Dritte entkommen möchtest durch's Herstellen von "Eindeutigkeit". Soll einem ja keiner was nachsagen können. Sag's einfach, wie es ist. Das ist in Ordnung und kann jeder verstehen. Da gabelt's sich dann auseinander. So kommen manche Brüder - seltener Schwestern - zur Sonne, die anderen bleiben halt hier, in der Donaustraße. Das ist kein Vorwurf, ich bitte, mich nicht falsch zu verstehen. Politik hat mit Interessen zu tun. Sie kenntlich und sich damit streitbar zu machen, ist Vorausetzung für mit offenem Visier ausgetragenem parlamentarischen Disput über die Frage, wie wir in diesem Lande miteinander leben wollen. Unsäglich aber ist, sich hinter "Unvorhergesehenem" zu verstecken und Unaufrichtigkeit zu einem Gewissenskonflikt zu adeln. Das haben wir Neuköllnerinnen und Neuköllner nicht verdient.
Ich sah durch ein hohes, großes Loch.Erich Mühsam
Ist Nichts darin? - Doch! scholl es. - Doch!
Und ich suchte und suchte und grub nach dem Nichts. -
Da quoll aus dem Loch eine Garbe Lichts. -
Ich habe das Nichts gefunden, -
Und mir um die Stirn gewunden.